Wenn ich heute, nach 3 1/2 Jahren seit der Abberufung meines Mannes, auf alles zurückblicke, was sich um diese Abberufung rankt, erfaßt mich immer noch Wut, aber mehr noch tiefe Traurigkeit über das, was Menschen unter dem Deckmantel der Nächstenliebe alles machen und für richtig halten und dabei "über Leichen gehen".

Äußerer Ausgangspunkt für die Abberufung meines Mannes war eine Presbyterwahl.

Im Vorfeld der Wahl hatten sich 5 Kandidaten, die für einen "liberalen" Gemeindekurs eintreten wollten, durch einen Initiativkreis per Werbezettel an alle Haushalte der Gemeinde gewandt.

Dies ist mit den Voraussetzungen, die die Kirchenordnung für die Eignung zum Presbyteramt nennt, nicht vereinbar. Der Inhalt des Werbezettels war es schon gar nicht. Zu diesem Urteil kam auch ein eigens vom Presbyterium eingeholtes Rechtsgutachten.

Nachdem bereits vorher gegen die Kandidaten Bedenken bestanden, wurden sie wegen dieses Tatbestandes vom Vertrauensausschuß von der Kandidatenliste gestrichen.

Der Vertrauensausschuß hat nach der Wahlordnung die Eignung von Bewerbern um das Presbyteramt zu prüfen. Er stellt die Kandidatenliste für die Wahl auf.

Das Presbyterium hatte gegen die Entscheidungen des Vertrauensausschusses keine Bedenken.

Der Kreissynodalvorstand (KSV) nahm dies zum Anlaß, meinen Mann, als angeblichen Verschwörer dieser Streichung, von seinem Amt zu beurlauben.

7 von 8 Presbytern standen hinter der Arbeit meines Mannes. Das Presbyterium trat dann Monate später "freiwillig" zurück, als es schon geraume Zeit ohne meinen Mann ausgehalten hatte.

4 der 5 Kandidaten, die für sich warben, waren zuvor ohne rege Teilnahme an Gottesdienst und Gemeindeleben ausgekommen. Dies ist der erste Punkt, der mich auch heute noch sehr betroffen macht.

Wie können Menschen, die sich nicht durch ein tieferes Verhältnis zur Gemeinde ausgezeichnet haben und bislang wenig Interesse am gemeindlichen Leben zeigten, bei einer Inszenierung mithelfen, die zur Abberufung eines Pfarrers und zur Vertreibung einer ganzen Familie führt?

Selbst heute sind diese 4 Personen, als Presbyter im Amt, gegen ihre Verpflichtung wenig im Gemeindeleben zu sehen.

Während der Wochen vor der Beurlaubung meines Mannes, waren Menschen auf dem Kirchengrundstück zu sehen, die ich in 6 Jahren Gemeindeleben noch nie gesehen hatte und nicht kannte.

Sie alle hatten sich aufhetzen lassen von einem Initiativkreis, der den "armen, zurückgewiesenen Kandidaten" zum Presbyteramt verhelfen wollte.

Ein Redakteur vom Regionalradio Kreis Wesel wurde von Menschen über das Kirchengrundstück geführt, die ich ebenfalls nicht kannte.

Zusätzlich hatte der einzige Presbyter, der nicht hinter meinem Mann stand, seine politischen Parteifreunde und -freundinnen aktiviert, gegen meinen Mann etwas zu unternehmen. Auch sie kannten meinen Mann persönlich nicht.

Können Sie sich, lieber Leser, das Gefühl der Ohnmacht vorstellen, das einen angesichts solcher Vorgänge befällt?

Erst im Nachhinein fügte sich für uns alles zu einem Bild.

Fast für den ganzen Zeitraum von 6 Jahren, die wir in *** waren, hatte der KSV schriftliche Beschwerden vor allem von Fernstehenden Menschen gegen meinen Mann in einem Ordner gesammelt, ohne daß mein Mann davon Kenntnis hatte.

Bei diesen Beschwerden handelte es sich um Halbwahrheiten, Verdrehungen und Lügen und dazu um Nichtigkeiten (z.B. soll mein Mann einer Frau die Gründung eines Fahrradfahrkreises untersagt haben. Diese Frau war aber nie mit diesem Anliegen bei ihm gewesen.)

Selbst die Religionslehrerin unserer Kinder in der Grundschule (ihr Mann ist selber Pfarrer im Kirchenkreis), hatte sich schriftlich beim KSV über meinen Mann beschwert. Er war 2 mal in 6 Jahren bei ihr gewesen, um mit ihr über ihren bibelkritischen Unterricht zu sprechen.

Die Beschwerdeführer waren fast durchweg kirchenfernstehend und nur punktuell mit meinem Mann in Berührung gekommen.

Wie mühsam muß es doch gewesen sein, diese Beschwerdeführer zu ermitteln und zu einer Beschwerde zu motivieren. Irgendwann erschien den Sammlern der oben genannte Ordner offenbar voll genug.

Als die Abberufung meines Mannes rechtskräftig wurde, teilte das Landeskirchenamt uns schriftlich mit, wir hätten das Pfarrhaus binnen 3 Monaten zu verlassen. Das sei "angemessen" und "üblich"!

Können Sie sich, lieber Leser, vorstellen, für eine 5-köpfige Familie binnen 3 Monaten Wohnraum zu finden?

Ein weiterer Punkt, der mich sehr traurig machte ist der, daß Menschen, die uns (so schien es alle Jahre in Utfort) freundlich gesonnen waren und unseren Dienst gerne angenommen hatten, nach der Abberufung meines Mannes die "Freundschaft" zu uns stillschweigend "aufkündigten": Sie mieden uns, nur weil mein Mann kein Pfarrer mehr war und der Wind in der Gemeinde nun andersherum pfiff.

Zu nennen sind Leute aus der Frauenhilfe, dem Mutter- und Kind-Kreis und einige Mitarbeiter. Dieser Sinneswandel hat mich ebenfalls tief enttäuscht und verletzt.

Anfangs, nach der Abberufung meines Mannes, dachte ich, ganz gut mit diesen Ereignissen fertig geworden zu sein.

Doch je mehr Zeit verstreicht merke ich, wie schwer es mir fällt, mich anderen Menschen und Christen zu stellen. Die Verletzungen sind wohl zu tief.

Fragen und Ängste plagen mich.

- Wo gibt es eine neue Arbeitsstelle für meinen Mann? Müssen wir bald nochmals umziehen? Muß ich irgendwann wieder arbeiten gehen (obwohl ich fünfzehn Jahre nicht mehr im Beruf bin)? Was können wir den Kindern für die Zukunft mitgeben, reicht das Geld für ihre Ausbildung?

Welche Gefühle, Gedanken und Unsicherheiten hat dieses Abberufungserlebnis bei unseren Kindern ausgelöst?

Tiefergehend und weltlich gesprochen bedrücken mich die Fragen: Was wollen Menschen mir und uns? Wird schon wieder oder immer noch gegen uns intrigiert? Wird immer noch über uns geredet?

Zu meinem Trost denke ich an die Worte der Heiligen Schrift:

"Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken".

"All eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch".

"Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren".

Tröstlich war auch, daß uns einige Mitarbeiter und Presbyter in dieser Abberufungszeit beistanden und sich für uns einsetzten. Leider ohne Erfolg.An wahren Sachverhalten und Begebenheiten war man ja an höherer Stelle nicht interessiert.

Für mich steht fest: Die Kirche und ihre Vertreter wollten mit meinem Mann einen unbequemen und profilierten Kritiker aus dem Kirchenkreis und der Kirche loswerden.

Wo sonst nur noch Einstimmigkeit und Einseitigkeit gefragt ist, stört es, wenn ein Pfarrer auf biblischen Wahrheiten beharrt und eine Umsetzung seiner bibeltreuen Standpunkte in praktische Gemeindearbeit versucht.

Wer z.B. gegen den Sonderfond zum Antirassismusprogramm, gegen säkularisierte Weltgebetstagsprogramme, gegen Homosexuellensegnung und Abtreibung ist, und dies auch öffentlich sagt, scheint für unsere evangelische Kirche nicht mehr tragbar zu sein und muß seines Amtes enthoben werde.

"Wie mag ein Mensch gerecht sein vor Gott?" Hiob 25,4

"Vor dir ist kein Lebendiger gerecht". Ps 143,2

"Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet". 2. Petrus 3,13

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