Ich habe diesem Artikel die "EKiR: Aktennotizen zum Verhalten Pfr. L." beigefügt, um meinen Standpunkt und meine Entscheidung nachvollziehbarer zu machen. Diese "Aktennotizen" handeln weniger von meinem Mann als von mir, seiner Ehefrau (seit 16 Jahren). Ich habe gerne, bewußt und aktiv die Arbeit meines Mannes unterstützt und gefördert.

Ich habe die Frauenarbeit der Gemeinde übernommen (5 Frauenhilfsgruppen). Von Frau zu Frau läßt es sich besser reden und vertraulicher, obgleich sicher auch einige lieber den Herrn Pfarrer gesehen hätten, weil er halt als der "Pfarr(h)er(r)" gesehen wird. Bei Gottesdiensten und sonstigen relevanten Veranstaltungen in der Gemeinde und im Kirchenkreis sind wir immer gemeinsam aufgetreten. Ich habe die vielen Telefonate entgegengenommen, wenn mein Mann außer Haus war, Fragen beantwortet, Termine notiert oder einfach nur zugehört. Und das alles neben meiner Berufstätigkeit und meiner Rolle als Hausfrau und Mutter zweier Kinder. Wie gesagt, ich habe dieses Engagement gerne gebracht, bis...

Ja, bis die Mobbinglawine gegen meinen Mann ins Rollen gebracht wurde und niemand der Kirchenoberen dieser Entwicklung Einhalt gebot. Superintendent und Landeskirchenräte haben den Psychoterror sogar noch gefördert. Wir hätten das gewiss nicht durchgehalten, wenn wir nicht eine gute Ehe führen würden, wenn uns unsere Eltern und Geschwister nicht zur Seite gestanden, wenn uns unsere Freunde nicht aufgerichtet hätten. Schützend vor uns gestellt hat sich nicht die Kirche, sondern die Öffentlichkeit der Gemeinde und das hat auch gut getan, tut uns heute noch gut.

Als das Mobbing begann - erst mit kleinen Sticheleien, dann mit großen Sauereien: Presbyterium, Kreissynodalvorstand, Landeskirchenamt - und auch die ersten Presseberichte erschienen waren (es gab in der ganzen Zeit, immerhin über 2,5 Jahre hinweg, keine einzige negative Schlagzeile in den Medien über meinen Mann, und das bei annähernd 100 Zeitungsartikeln, 5 Radiosendungen und einem Kurzbericht im ZDF), da wollte auch der Superintendent mit mir sprechen - allein versteht sich. Ich wurde in die Superintendentur eingeladen. Der Superintendent fragte mich, wie es mir denn gehe, es sei doch sicherlich schwierig für mich. Er war wohl in der Annahme, daß ich ihm mein "schwer belastetes Herz - mit all dem Ärger und den Schwierigkeiten mit meinem Mann - ausschütten würde". Wir wissen von anderen Kollegen, daß die Eheleute gegeneinander ausgespielt wurden, dem Pfarrer, um ihn kleinzukriegen, bedeutet wurde: "Mit Ihrer Frau, das klappt ja auch nicht mehr. Sie hat mir da so ein paar Dinge erzählt..." Aber dieses nur als mies zu bezeichnende Spiel habe ich nicht mitgespielt. Ich habe zum Superintendenten gesagt: "Herr S., wir können heute über alles reden, über die Situation in der Gemeinde etwa, aber über meinen Mann reden wir hier heute abend nicht." Das Gespräch hat keine fünf Minuten gedauert, da konnte ich wieder gehen. Das war der Beweis, daß den Herrn Superintendenten die Seelsorge überhaupt nicht interessierte.

Als man merkte, daß man zwischen mich und meinen Mann keinen Keil treiben konnte, da versuchte man es auf eine andere Art und Weise. Jetzt wurde ich zum Objekt der lüsternen Mobbingbegierde. Wer sich die beigefügten "Aktennotizen", die für mich die Qualität von Stasiprotokollen haben, einmal aufmerksam durchliest, der wird nicht glauben, daß so ein Schmutz bei kirchenleitenden Beamten (für mich sind das keine Pfarrer, erst recht keine Seelsorger) Beachtung findet. Aber das ist ein gewaltiger Irrtum. Auch ich war da im Irrtum. 'Damit', so die Argumentation der Kirchenbehörde in Düsseldorf, 'wird doch nur die Zerrüttung dokumentiert' - ansonsten noch nicht einmal ein bedauerndes Wort, geschweige denn ein schützendes. Die von solchem Dreck Besudelten können nur staunend verfolgen, was geschieht - ohne irgendwelche Einflußmöglichkeiten, den Ereignissen noch eine andere Bahn zu geben.

Jeder Mensch hat eine Würde, das wird Land auf Land ab auch hinreichend oft gepredigt. Die evangelische Kirche fordert sogar Regierungen auf, die Menschenrechte einzuhalten, aber sie selbst treibt ein böses Spiel.

Ich habe von Beruf wegen häufig auf dem Amtsgericht zu tun. Eine große Hinweistafel, die mir, ich muß es gestehen, früher wohl nicht aufgefallen war, sprang mir seit dieser Zeit ins Auge: "Kirchenaustritte Zimmer 12".

Wer meine Würde nicht achtet, meine Familie bedrängt und auseinandertreiben will, wer das, was der Gott des Lebens und der Lebendigen als heilig und unantastbar erklärt hat, mit Füssen tritt, der verdient nichts besseres als die Füsse, die Abstimmung mit den Füssen. So schwer es mir gefallen ist, aber für mich musste es sein, denn ich möchte mir noch ins Gesicht sehen können, und daß mir keiner sage, ich sei nicht fromm genug. Ich habe begriffen, daß Kirche und Glauben zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Vermutlich werde ich aber- aus Gründen kirchenpolitischer Verteidigungspolitik - unter all die subsumiert werden, denen unterstellt wird, sie verlassen die Kirche des Geldes wegen. Bei Gott, hier kommt alle Hilfe zu spät.

Ich weiß nicht, ob sich meine Einstellung gegenüber der evangelischen Kirche noch einmal ändern wird, mag sein. Zur Zeit ist es noch so, daß ich anfange zu weinen, wenn ich Orgelmusik höre. Beim Klang der Glocken oder wenn ich, einen Gottesdienst besuche (seit einem Jahr ein Mal, früher beinahe jeden Sonntag), fühle ich mich angerührt. Meine religiösen Gefühle habe ich noch, verletzte zwar, aber sie sind noch da. Sie werden noch einige Zeit brauchen, um ihre Verletzungen auszuheilen. Ja, meine religiösen Gefühle habe ich noch, darüber bin ich auch froh. Aber sie sollen keinen Kirchenleitenden in die Annahme versetzen, damit sei ich an die Institution gefesselt. Das ist ein großer Irrtum. Wie war das noch mit der "Freiheit des Glaubens"?

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