Kirche, deine Denunzianten

Denunziationsbereitschaft als Aufstiegsvoraussetzung in kirchenleitende Ämter?

"Von der sittlich gerechtfertigten und begründeten Anzeige einer strafbaren Handlung unterscheidet sich die Denunziation durch die moralische Fragwürdigkeit der ihr zugrundeliegenden Motive. Ihr geht es weniger um die Aufklärung eines Verbrechens als um die Befriedigung primitiver Bedürfnisse,

wobei die ungerechtfertigte Verdächtigung und Verfolgung des Denunzierten in Kauf genommen wird." (Gerhard Paul, "Deutschland, deine Denunzianten"

DIE ZEIT Nr. 37 v. 10.09.1993)

Der Brockhaus führt aus:

"Die Unsittlichkeit der Denunziation kann sich aus den Beweggründen des Denunzianten (Verleumdung, Rachsucht, Erpressung) oder aus politischen Verhältnissen ergeben."

Wo immer Feindbilder existieren, denunzieren sich Arbeitskollegen und Nachbarn, Konkurrenten und Freunde bei der Obrigkeit.

Persönliche Rachemotive, Neid und eigene Karrierewünsche scheinen es auch zu sein, die selbst Pfarrerinnen/Pfarrer und andere kirchliche Amtsträger zur Waffe der Denunziation greifen lassen.

So schreibt eine Aachener Pfarrerin an das Landeskirchenamt der evangelischen Kirche im Rheinland (Datum 04.03.94):

"Sie bitten mich, Ihnen mitzuteilen, ob und welche Beanstandungen des Dienstes von Pastor R. für den Zeitraum vom 14.01. bis zum 03.03.94 (Datum des Briefempfängers) vorliegen."

Dann folgt eine detaillierte Aufzählung der "Beanstandungen". Der Brief endet mit der mehr als devoten Formulierung:

"Ich hoffe, Ihrer Bitte mit diesem Schreiben entsprochen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen"

(Die Leidenschaftlichkeit und Akribie, mit der die Pfarrerin die "Beanstandungen" vorträgt, läßt den Verdacht aufkommen, daß sie selbst - als Initiatorin - dem Landeskirchenamt die "Beanstandungen" angezeigt und dann, um sich ggf. auf eine dienstliche Legitimierung zurückziehen zu können, darum gebeten hat [oder das Landeskirchenamt hat dies angeboten], sie anzuschreiben, mit der Bitte zu berichten. Tatsache ist, daß die berufsbedrohenden Probleme des beschuldigten Pastors erst mit Übernahme der Pfarrstelle durch die Pfarrerin begannen.)

Einen Brief vom 17.04.1994 leitet die Pfarrerin mit den Worten ein:

"da während meines Urlaubs wieder einiges Unerfreuliches mit Herrn R. geschehen ist, will ich Ihnen unverzüglich Nachricht geben."

Ein weiterer Brief vom 09.01.1995 beginnt mit der Einleitung:

"Ihrer Bitte um einen Bericht über die dienstliche Tätigkeit von Pastor R. komme ich gerne nach, auch wenn der Anlaß nicht allzu erfreulich ist."

Dann wird über vier DIN A 4 Seiten lang "Bericht" erstattet. Der Brief endet:

"Ich hoffe keine wichtigen dienstlichen Vorkommnisse vergessen zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen"

Das Berichten "dienstlicher Vorkommnisse" scheint für die Pfarrerin in doppelter Hinsicht "erfolgreich" gewesen zu sein:

  1. Pastor R. ­ damals 38 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder - wurde aus seiner Stelle abberufen. Da er nur Beamter auf Zeit war, sein Vertrag zum 30. September 1996 auslief und das Landeskirchenamt ihm bedeutete, daß man keine weitere Verwendung für ihn habe, stand er vor dem beruflichen und wirtschaftlichen AUS.
  2. Auf die Karriere der Pfarrerin hingegen könnte sich die Mitteilungsbeflissenheit durchaus positiv ausgewirkt haben.

Die Pfarrerin wurde auf der Landessynode 1999 der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr zum ersten stellvertretenden nebenamtlichen Mitglied der Kirchenleitung gewählt.

Auf der Landessynode 2000 wurde sie dann zur synodalen Abgeordneten für die EKU-Synode gewählt.

Herzlichen Glückwunsch!

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