Wer sich einsetzt, setzt sich aus

Theologen können schnell in die Schusslinie geraten. Genauso schnell wenden sich Kirchen und Kollegen dann ab. Wer nicht schnell genug begreift, dass sich das Blatt gegen ihn gewendet hat, wird häufig gemobbt.

1996 wurde die Hilfsstelle von betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrern gegründet, um Amtsgeschwistern in solchen kritischen Situation Rat und Hilfe zu geben, sie bei Dienstgesprächen oder Prozessen auf Wunsch zu begleiten und die Pfarrerschaft wie die Öffentlichkeit über Missstände und wünschenswerte Veränderungen aufzuklären. 

Die Arbeit in diesem Aufgabenbereich ist hier vor allem unter der Überschrift "Hilfe für Pfarrer bei Mobbing & Stellenverlust" dokumentiert. 

Von der Selbsthilfe zum Berater von Beratern

Mittelerweile hat sich die Situation etwas verändert. Einerseits gibt es inzwischen in allen Landeskirchen Pfarrvertretungen, als letzte Gliedkirche der EKD seit 2015 nun auch in der EKBO (Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz). Dadurch ist die Hilfsstelle jetzt eher zum "Berater von Beratern" geworden. Wo Betroffene sich direkt an uns wenden, vermitteln wir sie oft weiter an die zuständigen Pfarrvereine und Pfarrvertretungen der Landeskirchen, mit denen die Hilfsstelle vertrauensvoll zusammenarbeitet. In begründeten Einzelfällen beraten und begleiten wir Hilfesuchende Amtsgeschwister aber auch weiterhin direkt. 

Gesetze wurden verändert

In den vergangenen Jahren konnten außerdem im Zusammenwirken mit dem Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland auch Verbesserungen im Pfarrdienstrecht. Eine Grundlage für diese Verbesserungen waren von betroffenen Amtsgeschwistern erstrittene Urteile, die Kirchenjuristen bei der Vorbereitung des neuen gemeinsamen EKD Pfarrdienstgesetzes zu solchen Verbesserungen im Gesetzestext selbst bewogen haben, der dann von der EKD-Synode beschlossen wurde. So wurde die auch in hier wiedergegebenen Analysen beanstandete "Zwei-Drittel-Regelung" abgeschafft, derzufolge ein Gericht die Abberufung einer Pfarrerin oder eines Pfarrers nicht mehr hinsichtlich der Gründe überprüfen durfte, wenn ein Vertretungsorgan im Pfarrbereich sie mit Zweidrittelmehrheit beschlossen hatte. Auch wird jetzt eine missbräuchliche Beantragung der Versetzung einer Pfarrperson durch ein Vertretretungsgremium im Gesetzt ausdrücklich als Unzulässigkeitskriterium benannt. 

Von der Stellenknappheit zum Personalmangel

Schließlich entspannte sich die Situation für Betroffene vor allem dadurch, dass nur noch in wenigen Landeskirchen abberufenen oder aus ihrer Stelle wegversetzen Geistlichen der Warte- oder Ruhstand droht. Denn in Reaktion auf den Umgang der Kirche mit ihrem Personal in Zeiten der Stellenknappheit will seit geraumer Zeit niemand mehr Theologie studieren. Der dadurch eingetretene Personalmangel hat aber für Pastorinnen und Pastoren die Konsequenz, dass sie oft überlastet sind. Wer Urlaub machen will, hat es schwer, eine Vertretung zu finden. Ein hoher Krankenstand verursacht in einigen Kirchenkreisen die nächsten Erkrankungen. Burnout und Kankheit durch Überlastung ist heute eine überall so präsente Gefahr wie früher Mobbing und Stellenverlust. Hier sehen der Verband der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, die Konferenz der Pfarrvertretung und die Hilfsstelle eine neue Herausforderung. 

An andere denken, die schwerer betroffen sind

Christen sind die am häufigsten verfolgte Minderheit weltweit. Oft sind in Diktaturen davon auch deren Geistliche betroffen. Die Hilfsstelle sieht hier ein weiteres neues Aufgabenfeld. In der angespannten aktuellen Situation sollte die deutsche Pfarrerschaft auch an von politisch verfolgte Berufskollegen aus ökumenischen Geschwisterkirchen im Ausland denken, gerne in einer deren Schicksal begleitenden Fürbitte, aber auch mit konkreter solidarischer Hilfe. Als erstes sind dazu Informationen über die betroffenen Geschwister und deren Schicksal nötig, die wir in Zusammenarbeit mit internationalen Menschenrechtsorganisationen recherchieren und in der deutschen Pfarrerschaft bekannt machen wollen. 

 

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