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Kirchenleitungen) dazu gedient "ihrerseits gegen hochgradige vormalige Anhänger der Deutschen Christen vorzugehen." [35]

Nicht die Darstellung dieser kirchengeschichtlichen Fakten soll hier in Frage gestellt werden. Jedoch steht deren Bewertung durch Döring beispielhaft für ein offenbar noch immer andauerndes Bemänteln und Verharmlosen des Kernproblems: Eindrücklich beschreibt Döring, wie der kirchengesetzlich eröffnete und geschützte Abberufung-Wartestand-Ruhestand-Mechanismus durch die Zeiten hindurch ganz unterschiedlich motivierten Kirchenleitungen zum Gebrauch zur Verfügung gestanden hat und noch heute steht. Dann aber bewertet sie den Gebrauch der einschlägigen kirchengesetzlichen Regelungen durch deutsch-christlich orientierte Kirchenleitungen als Missbrauch, während deren Gebrauch durch die Nachkriegskirchenleitungen unhinterfragt bleibt.

Offensichtlich stellt Döring bei dieser Bewertung auf das heute zutreffend zu unterstellende Einvernehmen ab, dass es richtig war, Pfarrer, die deutsch-christliche Irrlehren vertraten bzw. vertreten hatten, schließlich aus ihren Pfarrstellen abzuberufen. Ihr gerät dabei aber aus dem Blick, dass das hier zur Debatte stehende Abberufungsverfahren wegen Vorliegens einer "nachhaltigen Störung in der Wahrnehmung des Dienstes" und dessen vergleichbare Vorgängerregelungen auf Lehrüberprüfungen und andere Schuldnachweise gerade verzichteten bzw. verzichten.

Demnach hätten oder haben dann aber Nachkriegskirchenleitungen in den angesprochenen Fällen den zielgerichtet in Warte- und Ruhestand mündenden Abberufungsmechanismus offenbar angewendet, um Lehrzucht- oder Disziplinarverfahren zu umgehen.

Die "nachhaltige Störung" oder "Zerrüttung" kann und konnte also zur effektiven Bestrafung eines Pfarrers führen, ohne dass in einem ordentlichen Verfahren ­ mit Anklage und Verteidigung - theologisch geklärt wurde und wird, ob eine solche "nachhaltige Störung" im jeweils gegebenen Fall gerade auch die unausweichliche Folge auftragsgemäßer Amtsführung und rechter Verkündigung war bzw. ist.

Solche Überprüfung aber müsste unter allen Umständen erfolgen. Das gilt umso mehr, als es in vielen Fällen geistlich-theologisch geradezu geboten erscheint, "nachhaltige Störungen" auszuhalten und den etwa betroffenen Pfarrer darin zu bestärken, fest zu bleiben. In einem kirchengeschichtlichen Überblick bis in die Gegenwart hinein ­ wie Döring ihn bietet - trägt mithin eine Sortierung der jeweiligen Anwendungen des umstrittenen Gesetzesmechanismusses nach dem Kriterium von Gebrauch und Missbrauch nichts aus, ja ist geradezu irreführend.

Die heute noch immer gesetzlich bereitgestellte Willküroption stellte und stellt eine Verführung zum "kurzen Weg" dar: Wo geistlich-theologische Klärung und Verantwortung bei allen Beteiligten geboten ist, wird im gegebenen Fall stattdessen kirchenamtlich Macht ausgeübt.

Ganz unterschiedlich ausgerichtete Kirchenleitungen haben die fraglichen Regelungen immer wieder angewendet, vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg, bis heute. Die Problematik liegt daher nicht auf der Ebene der Frage nach Gebrauch oder Missbrauch der Regelungen. Die Regelungen selber - mit ihrer kirchengesetzlich prinzipiell eröffneten und geschützten Willküroption - sind bereits das Problem.

  • [35] Döring, a.a.O., S.14

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